01.01.2012 Energie - Wende wohin?

Wie Unternehmen jetzt mit Energieeffizienz punkten

Die Politik hat entschieden und die Unternehmen müssen sich nun auf die Konsequenzen der Energiewende einstellen. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, kann Risiken abfedern und mit dem Streben nach mehr Effizienz neue Chancen nutzen. Öffentliche Fördermaßnahmen helfen ebenso wie spezialisierte Beratungsstellen und die Experten der IHK.

Als Hersteller von umweltfreundlichen mineralischen Flammschutzmitteln trägt die Nabaltec AG in Schwandorf schon von ihrer Produktpalette her zum Wohl von Klima und Umwelt bei. Doch auch betriebsintern haben diese Ziele einen hohen Stellenwert. So hat das Chemieunternehmen bereits 2010 ein  zertifiziertes  Energiemanagementsystem nach der europäischen Norm DIN EN 16001 eingeführt, das neben der positiven Wirkung auf die Umwelt auch handfeste wirtschaftliche Vorteile bringt. „Der Energieverbrauch ist ein wichtiger Kostenfaktor bei der Herstellung unserer Produkte und wir können durch einen effizienteren Einsatz von Energie auch beträchtliche Kosteneinsparungen realisieren“, sagt Dr. Karl-Heinz Spriestersbach, Qualitätsmanagementbeauftragter bei Nabaltec.

Das Unternehmen hat deshalb einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess in Gang gesetzt, bei dem der gesamte Energiefluss immer wieder analysiert wird. Ausgehend von der möglichst genauen Beschreibung des Ist-Zustands werden konkrete Maßnahmen beschrieben und aufgelegt, die zur Senkung des Energieverbrauchs geeignet sind. Das ist nicht nur mit Blick auf die Kosteneinsparungen von Bedeutung. „Die aktuelle Energiepolitik unseres  Landes vor dem Hintergrund des Atomausstiegs wirft auch die Frage der Versorgungssicherheit auf“, betont Spriestersbach.

Chancen und Risiken der Wende

Er steht damit nicht allein. Deutschlands Unternehmen müssen sich nach der Energiewende auf neue Herausforderungen einstellen. „In Zukunft stellt sich das Problem der Versorgungssicherheit in neuer Form“, warnt Dr. Wolfgang Buchholz, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Regensburg. Noch sind die Konsequenzen meteorologischer Einflüsse auf die Bereitstellung von Sonne- und Windenergie unkalkulierbar. Ebenso müssen intelligente Netze zur Abstimmung von Bedarf und Angebot in großem Maße erst noch gebaut werden. Wer sich frühzeitig vorbereitet, kann Gefahren minimieren und Chancen nutzen. „Wir stehen vor einer Transformation der Energieversorgung in ein System, das überwiegend auf erneuerbare Energien baut“, sagt Buchholz. Der Weg dahin werde steinig und schwer. Er eröffne aber den Herstellern und Betreibern von mit erneuerbaren Energien betriebenen Kraftwerken ebenso neue Marktchancen wie ihren Zulieferern. Über alle Branchen und Größenklassen hinweg winken Unternehmen zudem durch das Streben nach mehr Energieeffizienz geldwerte Vorteile. „Systematisches Energiemanagement kann und sollte nicht nur wegen der positiven Wirkungen für die Umwelt, sondern auch mit Blick auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit umgesetzt werden“, rät Florian Rieder, Referent Unternehmensförderung der IHK Regensburg für Oberpfalz /Kelheim.

Die Experten der IHK bieten dabei ebenso Unterstützung wie bei Fragen zum Einsatzwichtiger Querschnittstechnologien im Betrieb oder den Möglichkeiten der Kraft-Wärme-Kopplung. Sie informieren über die Absatzchancen neuer Energietechnologien ,aber auch über Förderungen und Steuererleichterungen für zielgerichtete Maßnahmen(siehe Kasten auf Seite 21). „Ein zertifiziertes Energiemanagementsystem zum Beispiel wird wohl Voraussetzung für Ermäßigungen bei der Energie- und Stromsteuer werden und ist es teilweise schon bei der Begrenzung der so genannten EEG-Umlage“, sagt Rieder. Das Kürzel „EEG“ steht für das  Erneuerbare-Energien-Gesetz und darin wiederum ist die Finanzierung des Ausbaus alternativer Energien - deren Anteil bis zum Jahr 2030 auf 50Prozent des Bruttostromverbrauchs steigen soll – durch Umlagezahlungen der Haushalte und Firmen geregelt. Stromintensive Unternehmen können diese EEG-Umlage auf Antrag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) jedoch begrenzen. Voraussetzung dafür wiederum ist nicht nur ein bestimmter Mindeststromverbrauch und ein Anteil der Stromkosten von mehr als 15 Prozent (künftig mehr als 14 Prozent) an der Bruttowertschöpfung des Unternehmens. Ebenso unverzichtbar ist der zertifizierte Nachweis, dass der Energieverbrauch und die Potenziale zu dessen Verminderungen erhoben und bewertet worden sind.

Energiemanagement ist Wettbewerbsfaktor

Energiemanagement ist mit einem Imagegewinn verbunden und dürfte über kurz oder lang zu einem wichtigen Wettbewerbskriterium werden. "Allein schon mit Blick auf die Kostenvorteile bei der EEG-Umlage werden immer mehr Unternehmen Umwelt- und Energiemanagementsysteme einführen mit der Folge, dass die Teilnehmer an der Wertschöpfungskette solche Managementsysteme zunehmend auch fordern werden", sagt Nabaltec-Experte Spriestersbach. Neueinsteiger sollten dabei auf die neue internationale Norm ISO 50001achten, in der die europäische DIN EN 16001  aufgehen  wird. Allzu große Scheu vor dem damit verbundenen Aufwand muss man nicht haben. Vor allem Firmen, die bereits über ein gut funktionierendes Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 verfügen, können  das systematische Energiemanagement aufgrund der ähnlichen Mechanismen relativ leicht umsetzen.

Zudem mangelt es nicht an Unterstützung  von außen. Neben der IHK bieten Hochschulen, Forschungsinstitute und Gebietskörperschaften weiterführendes Know-how und Beratung an: angefangen von Verfahren und Werkstoffen für die Energietechnik bis hin zur Fort­ und Weiterbildung auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien und dem Abruf externer Dienstleistungen zur Realisierung von Einsparungen (Energie-Contracting). Nicht minder wichtig sind Kontakte zwischen Kommunen, Hochschulen,  Energieversorgern und der Wirtschaft untereinander.

Als Ansprechpartner für eine solche Netzwerkarbeit sieht sich beispielsweise die Energieagentur Regensburg,  die  darüber hinaus auch Beratungsangebote und -konzepte bietet. "Wir organisieren Arbeitskreise mit konkreten Umsetzungszielen, stellen Praxisbeispiele vor und begleiten Prozesse, die auf das Ziel einer höheren  Energieeffizienz ausgerichtet sind", sagt Geschäftsfahrer Ludwig Friedl. Die Energieagentur, zu deren derzeit 102 Mitgliedern rund so Firmen gehören, werde im neuen Jahr verstärkt  Unternehmen ansprechen. "Dabei wäre es denkbar, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedsunternehmen Energieverbrauchskennzahlen für ein Benchmarking anonymisiert aufzubereiten", sagt Friedl.

Querschnittstechnologien richtig nutzen

Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zu mehr Energieeffizienz kann zudem der richtige Einsatz moderner Querschnittstechnologien leisten: von Pumpen und Motoren bis hin zu Kühlungsanlagen und Druckluftsystemen. Mit modernisierten Pumpsystemen etwa sind nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur (dena) Einsparungen von 18 bis 90 Prozent realisierbar. Im Bereich der Druckluft wiederum, eine der teuersten im Unternehmen eingesetzten Energieformen überhaupt, kann ein Gutteil der Einsparungen sogar ohne große Investitionen erreicht werden.

Ob bei Maschinen, Motoren oder Werkzeugen: Druckluft wird fast in jeder Produktionsstätte vielfältig genutzt. Dennoch kommt es häufig zu erheblichen Energieverlusten. „Selbst bei erfolgreichen Betrieben stellt sich immer wieder heraus, dass wegen lecker Leitungsnetze bis zu 50 Prozent der Druckluftverloren gehen“, sagt Dr. Andreas Weiß, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Amberg-Weiden. Er rät dazu, das Netz mindestens einmal im Jahr auf Leckagen zu überprüfen. Der Netz-Check kostet zwar Zeit, ist aber in der Regel mit dem Aufwand einer Mann-Woche zu bewerkstelligen und amortisiert sich durch die so vermiedenen Energieverluste in kürzester Zeit. Ebenso hilfreich ist es, unnötig hohen Netzdruck zu vermeiden und darüber hinaus bei Niedrigdruckanwendungen nach Alternativen zu suchen. Das Trocknen und Kühlen von Werkzeugen etwa lässt sich mit Blasluft von einem Bar Überdruck durchführen, die im Vergleich zur Druckluft mit sieben Bar nur etwa ein Drittel des Energieaufwands erfordert.

Zusätzliche Einsparungen sind durch eine optimierte Steuerung der Kompressorstationen erreichbar. Nur allzu häufig nämlich sind Erzeugung und Verbrauch nicht gut aufeinander abgestimmt. So gehen die Kompressoren nach den Lastzeiten meist in den Leerlauf über. Sie erzeugen dann keine Druckluft mehr, verbrauchen in diesem Betriebszustand aber immer noch rund ein Viertel der während der Lastzeit abgerufenen Energie. Da wäre es allemal sinnvoll, die täglichen Betriebs- und Leerlaufstundenkontinuierlich aufzuzeichnen und dann eventuell einen Kompressor zu bestimmten Zeiten ganz abzuschalten. „Die Früchte hängen oft sehr, sehr niedrig, man kann mit wenig Aufwand eine hohe Einsparung erzielen“, ermuntert Weiß. Ähnlich gilt das auch für die Option, die bei der Drucklufterzeugung entstehende Wärme gezielt für die Heizung von Räumen oder das Erhitzen von Wasser zu nutzen. Man kann dazu die Abwärme über ein Kanalsystem beispielsweise in die zu heizende Werkstatt leiten oder den Kompressor mit einem Öl-Wasser-Wärmetauscher verbinden, um Brauchwasser etwa für die betrieblichen Duschen oder Produktionsprozesse zu erzeugen.

Kraft-Wärme-Kopplung spart Energie

In noch größerem Umfang kommt das Konzept der Abwärmenutzung bei der Kraft-Wärme-Kopplung durch Blockheizkraft-werke (BHKW) zum Tragen. Die Idee dahinter: Anstatt die Energie von einem Versorger zentral zu beziehen, wird der Strom –beispielsweise auf dem betrieblichen Gelände – vor Ort erzeugt und die dabei entstehende Abwärme ebenfalls gleich für die Energieversorgung genutzt. Bei der Umsetzung existieren zahlreiche Varianten. So betreibt der Energieversorger REWAG im Regensburger Westbad eine Heizzentrale mit BHKW, bei der Storm über ein mit Erdgas betriebenes Aggregat erzeugt wird, wobei quasi als Nebenprodukt Wärme entsteht. All dies dient nicht nur zur Versorgung der Badeanstalt. Über eine 500 Meter lange Fernwärmeleitung wird die Wärme auch in das nahe gelegene Werk des Technologieunternehmens Infineon geleitet. Ebenso funktioniert es anders herum. Kommunale Einrichtungen wie Schulen oder Pflegeheime können mit Abwärme aus den von der Industrie errichteten Kraftwerken versorgt werden.

Wie effizient sich die Eigenversorgung eines Unternehmens über die Kraft-Wärme-Kopplung gestalten kann, zeigt das Beispiel der Krones AG in Neutraubling. Der Weltmarktführer in der Getränkeabfüll- und Verpackungstechnik hat gemeinsam mit der REWAG in ein Gesamtkonzept investiert, bei dem die drei vor Ort installierten BHKWs mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe kombiniert wurden. Dank dieser Pumpe wird die gesamte Abwärme aus dem Betrieb des Kraftwerks, das fast 40 Prozent der am Konzernsitz in Neutraubling benötigten Strommenge erzeugt, für die Heizung genutzt. Unterm Strich führt das Konzept zu einer Primärenergieeinsparung von rund 38 Prozent gegenüber der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme.

Die Vorteile eigener BHKWs können Unternehmen sowohl durch den Verkauf der gewonnenen Energie über die Einspeisung in das öffentliche Netz wie auch über deren Verwendung im eigenen Betrieb nutzen. „Bei der Eigennutzung machen sich die Firmen auch unabhängiger von den Strompreisen. “Denn diese könnten im Zuge des Netzausbaus steigen, sagt Prof. Dr. Markus Brautsch vom Institut für Energietechnik an der Hochschule Amberg-Weiden. Er beurteilt derzeit jährlich rund 50 Energieprojekte, bei denen sich mindestens jeder zweite Betrieb in der Region Ostbayern für die Installation eines BHKWs entscheidet. Die ideale Lösung ist allerdings stets abhängig vom individuellen Stromleistungs- und Wärmebedarf sowie den jeweils anfallenden Energiekosten.

„Erst auf dieser Basis kann man ein ganzheitliches und wirtschaftlich optimales Gesamtkonzept entwickeln“, sagt Brautsch. Wie das aussehen kann, zeigen zwei von dem Institut mit Förderung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums auf den Weg gebrachte Demonstrationsvorhaben bei oberpfälzischen Unternehmen. Sowohl im Werk Haselmühl des Autozulieferers Grammer AG wie auch am Standort Weiherhammer der BHS Corrugated Maschinen- und Anlagenbau GmbH ist das Kernstück des Konzeptseine alle Hallen und Werkbereiche verbindende Ringleitung. Diese ermöglicht es unter anderem, dass neben der Wärmeerzeugung in der Heizzentrale auch die in einzelnen Werkbereichen abfallende Prozesswärme zur Wärmeversorgung beiträgt. Auch für kleinere Unternehmen ist die Kraft-Wärme-Kopplung eine zukunftsträchtige Alternative, die durch den Umbruch im Erdgasmarkt zusätzlich interessant wird. So können deutsche Versorger nach der Ablösung von Altverträgen mit russischen Lieferanten heute Gas zum Teil preiswerter anbieten als früher. „Unternehmen profitieren auch beim Betrieb eines Mini-BHKWs von den günstigen Gaspreisen ebenso wie von den im KWK-Gesetz verankerten öffentlichen Fördergeldern“, sagt Brautsch. Ansatzpunkte für Einsparungen gibt es auch in anderen Bereichen zur Genüge. Die Nabaltec AG in Schwandorf beispielsweise hat bei ersten Projekten bereits auf LED-Leuchtkörper umgeschaltet, die sich durch geringeren Energiebedarf und eine längere Lebensdauer als herkömmliche Beleuchtungen auszeichnen. „Da man so gerade angesichts der aktuell hohen Strompreise große Summen einsparen kann, amortisieren sich die Mehrkosten bei der Anschaffung schnell“, sagt der Qualitätsmanagementbeauftragte Spriestersbach. Auch höhere Investitionskosten in energieeffiziente Anlagen lohnen sich unter diesem Aspekt, da aus der Energieeinsparung langfristig deutliche Kosten-vorteile resultieren.

Neue Marktchancen für Unternehmen

Die Hersteller entsprechender Anlagen und Komponenten profitieren von der Energiewende ebenso wie all jene Firmen, die eine verstärkte Nutzung alternativer Energien ermöglichen. In Ostbayern gibt es nicht wenige solcher Unternehmen. Der Mastenbauer Europoles in Neumarkt etwa kann vom Ausbau der Stromnetze ebenso profitieren wie von neuen Windkraftwerken. Schneider Electric produziert wichtige Komponenten wie die Wechselrichter für Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Die ebenfalls in Regensburg ansässige Ostwind Gruppe hat unter anderem gerade für die 22 Stadt-und Gemeindewerke der Energieallianz Bayern (EAP) den im November eingeweihten Wald-Windpark Zieger im Landkreis Neumarkt projektiert. Aktuell hat das bayerische Kabinett die Bearbeitungszeit für die Genehmigung von Windanlagen von zehn auf drei Monate verkürzt. Die Zahl der Windkraftanlagen in Bayern soll von derzeit 440 auf 1.500 im Jahr 2021 steigen und die Nutzung der Sonnenkraft will der Minister ebenfalls weiterfördern. Auch in diesem Bereich arbeitet vom Kraftwerkhersteller bis zum Zulieferer in der Region bereits eine ganze Reihe wachstumsstarker Unternehmen. Die Flabeg Gruppe beispielsweise, die am Standort Furth im Wald Solarspiegel für solarthermische Kraftwerke produziert, hat heute einen weltweiten Marktanteil von mehr als 55 Prozent. Derzeit ist zwar insbesondere in den USA die Nachfrage etwas eingebrochen, weil konkurrierende Photovoltaik-Module durch den asiatischen Wettbewerb immer günstiger werden. „In Ländern wie Marokko, Indien, China und Südafrika dagegen wächst die Nachfrage nach solarthermischen Kraftwerken und damit auch nach Solarspiegeln“, sagt Flabeg-Sprecherin Kerstin Kötter. Trotz des zunehmenden Wettbewerbs rechnet Flabeg auch im kommenden Jahr mit ausgelasteter Produktion – nicht zuletzt weil die Kunden die große Erfahrung des Unternehmens schätzen, das bereits in den 1980er Jahren die ersten Solarspiegel für US-Kraftwerke geliefert hat.

Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Buchholz, Institut für Volkswirtschaftslehre und Ökonometrie der Universität Regensburg

Wirtschaft konkret: Welche wirtschaftlichen Konsequenzen resultieren aus der Energiewende?
Buchholz: Die Folgen des Atomausstiegs sind für Deutschland verkraftbar, es werden kaum die Lichter ausgehen. Kurz- bis mittelfristig fehlen aber die Einnahmen aus der Brennelementesteuer. Der Bundesregierung stehen zudem Schadensersatzklagen der AKW-Betreiber ins Haus, die sich in ihren Eigentümerrechten eingeschränkt fühlen.

Wirtschaft konkret: Welche Herausforderungen sind auf dem Weg zu einer auf erneuerbare Energien bauenden Versorgung zu bewältigen?
Buchholz: Die bisherige Politik zur Förderung der erneuerbaren Energien war insofern erfolgreich, als deren Anteil am Gesamtenergieverbrauch in Deutschland stark gestiegen ist. Doch diese Politik – insbesondere die der Solarstromförderung – ist sehr kostenträchtig und in einem gewissen Sinn nicht nachhaltig. Gerade wenn eine wirklich umfassende Energiewende angestrebt wird, muss die Politik dem strengen Gebot der Kosteneffizienz genügen. Ansonsten gefährdet sie den Produktionsstandort Deutschland, die internationale Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen und riskiert damit, dass sie bei der Bevölkerung keine Akzeptanz mehr findet.

Wirtschaft konkret: Wie sieht es mit den Technologien aus?
Buchholz: Die Energiewende beruht auf lange Sicht in einem nicht unerheblichen Maß auf dem Prinzip Hoffnung. Viele Technologien sind noch nicht ausgereift. Das gilt insbesondere für die Offshore-Windanlagen, die einen erheblichen Anteil an der Versorgung haben sollen, aber auch für deren Speichertechnologie. Hinzu kommt der Aspekt der Versorgungssicherheit unter meteorologischen Aspekten. In Zeiten, in denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, benötigt man Reservekapazitäten konventioneller Kraftwerke über Speichertechnologien und/oder wesentlich bessere Möglichkeiten der Anpassung des individuellen Energiebedarfs an eine schwankende Bereitstellung durch Smart Grids.

Wirtschaft konkret: Wie können Unternehmen mit Blick auf die eigene Versorgungssicherheit vorbeugen?
Buchholz: Wenn sich solche Probleme in fünf bis zehn Jahren stellen, sollte man als Unternehmen durch so genannte Rückfallstrategien darauf vorbereitet sein. Es wird also darauf ankommen, wie man sich individuell anpassen kann.

Quelle: www.ihk-regensburg.de (Norbert Hofmann, Wirtschaft konkret, Januar 2012)