Demonstrationsvorhaben im Riedenburger Brauhaus

Bier brauen – ohne fossile Brennstoffe

Die Herstellung von Bier ist traditionell mit einem hohen Energieeinsatz verbunden. Vor allem Prozesswärme und Dampferzeugung basieren in vielen Brauereien noch auf fossilen Energieträgern wie Erdgas.

Mit dem Neubau des Riedenburger Brauhauses wird deshalb ein anderer Weg eingeschlagen: Ein innovatives Energiekonzept soll die Bierherstellung vollständig ohne fossile Brennstoffe ermöglichen. 

Wissenschaftliche Begleitung durch das IfE

Das Institut für Energietechnik (IfE) begleitet das Demonstrationsvorhaben bei der Analyse und Bewertung der gesamten Energieumsätze.

Ziel der wissenschaftlichen Begleitung ist es, den technischen Lösungsansatz unter realen Betriebsbedingungen zu bewerten und die Übertragbarkeit auf andere Unternehmen und Branchen zu prüfen und darzustellen.

Energie neu denken

In klassischen Brauereien wird Prozesswärme überwiegend durch erdgasbefeuerte Dampfkessel erzeugt. Gleichzeitig bleiben Abwärmepotenziale häufig ungenutzt.

Das Energiekonzept im Riedenburger Brauhaus verfolgt deshalb einen anderen Ansatz: Vorhandene Abwärme aus verschiedenen Prozessen wird systematisch genutzt, über Wärmepumpen auf ein höheres Temperaturniveau angehoben und erneut in den Produktionsprozess integriert. Heißwasser und Dampf werden vollständig auf Basis erneuerbarer elektrischer Energie bereitgestellt.

So entsteht ein geschlossener Energiekreislauf, der fossile Energieträger vollständig ersetzt.

Energiespeicher als zentraler Baustein

Ein wichtiger Bestandteil des Systems sind drei großdimensionierte thermische Energiespeicher.

Die Speicher werden vor allem dann beladen, wenn Abwärme und ausreichend Strom – größtenteils aus eigener Photovoltaik – verfügbar sind. Die Energie wird anschließend zeitversetzt im Brauprozess genutzt. Dadurch lassen sich Lastspitzen reduzieren und Energieflüsse flexibel steuern.

Zusammenspiel verschiedener Technologien

Die deutliche Reduktion des Energiebedarfs entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer technischer Lösungen:

  • konsequente Nutzung und Rückführung von Abwärme,
  • Wärmepumpen zur Temperaturanhebung,
  • Vakuum-Brüdenverdichter zur Dampferzeugung,
  • thermische Energiespeicher zur zeitlichen Entkopplung von Energieerzeugung und -verbrauch,
  • sowie die Nutzung erneuerbarer elektrischer Energie.

Für die Herstellung eines Hektoliters Bier werden im neuen Konzept rund 20 Kilowattstunden Wärme benötigt. Insgesamt kann der Energiebedarf der Brauerei dadurch um bis zu zwei Drittel reduziert werden.

Modellcharakter für die Industrie

Das Projekt wird im Rahmen des Bayerischen Energieforschungsprogramms gefördert und versteht sich als Demonstrationsvorhaben mit Modellcharakter für weitere energieintensive Betriebe der Lebensmittelindustrie.

„Die konsequente Abkehr von fossilen Energieträgern ist für uns ein klares Unternehmensziel. Dass uns die aktuelle geopolitische Lage in dieser Entscheidung bestätigt, zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig unabhängige Lösungen zu entwickeln“, sagt Geschäftsführer Maximilian Krieger.

Das Projekt in Riedenburg zeigt, wie wissenschaftliche Begleitung, technologische Integration und praktische Umsetzung zusammenwirken können, um industrielle Prozesswärme langfristig fossilfrei und effizient bereitzustellen.

Riedenburger Bautagebuch – Riedenburger Brauhaus

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