Nach Abschluss einer Kommunalen Wärmeplanung stellt sich für viele Kommunen und Stadtwerke die Frage, welche der identifizierten Abwärmepotenziale tatsächlich für eine Einbindung in die lokale Wärmeversorgung geeignet sind. Potenzialkarten liefern hierfür eine erste Orientierung. Für die weitere Projektentwicklung reichen sie jedoch häufig nicht aus, da technische Randbedingungen, Verfügbarkeiten, Temperaturniveaus, Lastgänge und wirtschaftliche Rahmenbedingungen gesondert geprüft werden müssen.
Der IfE-Abwärmekompass setzt an dieser Schnittstelle an. Ziel ist es, industrielle Abwärmepotenziale systematisch zu plausibilisieren, fachlich einzuordnen und in eine umsetzungsorientierte Projektpipeline zu überführen.
Warum eine Potenzialkarte nur der erste Schritt ist
Industrielle Abwärme kann einen relevanten Beitrag zur Dekarbonisierung lokaler Wärmenetze leisten. Die praktische Nutzung hängt jedoch von mehreren Faktoren ab: Neben der räumlichen Lage und der verfügbaren Wärmemenge sind insbesondere Temperaturniveau, zeitliche Verfügbarkeit, technische Einbindung, bestehende Prozesse sowie die wirtschaftliche Anschlussfähigkeit entscheidend.
Die Erfahrung aus zahlreichen vom IfE begleiteten Wärmeplanungen zeigt, dass öffentlich verfügbare Datengrundlagen – etwa aus Meldungen zu Abwärmepotenzialen – für eine abschließende Projektbewertung häufig nicht ausreichen. Teilweise sind Angaben unvollständig, nicht ausreichend plausibilisiert oder aufgrund von Vertraulichkeitsanforderungen nur eingeschränkt nutzbar. Für Kommunen und Stadtwerke entsteht dadurch ein zusätzlicher Prüfbedarf, bevor über vertiefende Untersuchungen, Förderanträge oder Investitionsentscheidungen gesprochen werden kann.
Methodisches Vorgehen im Abwärmekompass
Der IfE-Abwärmekompass ist modular aufgebaut und kann an die jeweilige Ausgangslage vor Ort angepasst werden. In der Regel werden innerhalb weniger Monate belastbare Grundlagen für die weitere Projektentwicklung erarbeitet.
Das Vorgehen umfasst insbesondere folgende Arbeitsschritte:
- Plausibilisierung vorhandener Daten
Bestehende Angaben zu Abwärmemengen, Standorten und technischen Parametern werden geprüft, bereinigt und fachlich eingeordnet. - Identifikation weiterer potenzieller Abwärmequellen
Ergänzend werden mögliche Abwärmelieferanten betrachtet, die bislang nicht oder nur unvollständig in bestehenden Datengrundlagen erfasst sind. - Fachlicher Dialog mit Unternehmen
In Gesprächen mit technischen Verantwortlichen werden zentrale Randbedingungen geklärt, darunter Temperaturniveaus, Betriebszeiten, Prozessstabilität, interne Wärmenutzung und mögliche Einschränkungen. - Optionale technische Vertiefung
Bei geeigneten Potenzialen können weiterführende Schritte wie Vor-Ort-Begehungen, Datenauswertungen oder hydraulische Messungen ergänzt werden, um die Bewertungsgrundlage weiter abzusichern.
Priorisierung nach Umsetzbarkeit
Das Ergebnis ist keine zusätzliche Potenzialkarte, sondern eine strukturierte und priorisierte Projektübersicht. Die betrachteten Abwärmepotenziale werden nach ihrer fachlichen Eignung eingeordnet:
- Go-Potenziale
Abwärmequellen, bei denen eine technische Einbindung grundsätzlich plausibel erscheint und eine weitere Projektentwicklung sinnvoll ist. - Prüf-Potenziale
Abwärmequellen mit erkennbarem Potenzial, bei denen jedoch weitere technische, wirtschaftliche oder organisatorische Fragen zu klären sind. - Ausschluss-Potenziale
Abwärmequellen, die nach fachlicher Prüfung derzeit nicht wirtschaftlich, technisch nicht sinnvoll oder nicht ausreichend verfügbar erscheinen.
Gerade die nachvollziehbare Abgrenzung nicht geeigneter Potenziale ist für die weitere Planung relevant. Sie hilft Kommunen, Stadtwerken und Industrieunternehmen dabei, Ressourcen gezielt auf realistische Projektansätze zu konzentrieren.
Neutrale Bewertung an der Schnittstelle von Kommune, Stadtwerk und Industrie
Als An-Institut der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden begleitet das IfE seit vielen Jahren Kommunen, Stadtwerke und Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung energiebezogener Konzepte. Der Abwärmekompass schafft eine fachlich neutrale Grundlage für die weitere Abstimmung zwischen den beteiligten Akteuren.
Die Ergebnisse können unter anderem für politische Gremien, strategische Wärmeversorgungsentscheidungen, vertiefende Machbarkeitsstudien oder die Vorbereitung von Förderanträgen genutzt werden. Durch die strukturierte Bewertung wird sichtbar, welche Abwärmepotenziale kurzfristig weiterverfolgt werden können, wo zusätzlicher Prüfbedarf besteht und welche Ansätze nicht weiter priorisiert werden sollten.
Bei Fragen zum IfE-Abwärmekompass können Sie sich gerne an unseren Kollegen Patrick Dirr wenden.
Kontakt:
M. Eng. Patrick Dirr
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