Abwärmenutzung bei der ESN Deutsche Tischtennis Technologie GmbH
Dekarbonisierung trotz Produktionserweiterung
Ausgangslage
Produktion erweitern und gleichzeitig CO₂-Emissionen reduzieren. Das klingt im ersten Moment nach zwei konträren Zielen.
Genau vor dieser Herausforderung stand die ESN Deutsche Tischtennis Technologie GmbH aus Hofheim in Unterfranken. Das Unternehmen gehört zu den weltweit größten Herstellern von Tischtennisbelägen und hatte sich im Rahmen eines gemeinsam mit dem IfE entwickelten Transformationsplans das Ziel gesetzt, auf fossile Brennstoffe zu verzichten und seine Fertigung CO₂-neutral auszurichten.
Nun fiel die Entscheidung für einen Erweiterungsbau. Mit dem Ausbau steigt auch der Bedarf an Prozesskälte. Bereits heute werden für Extruder, Walzen und die Temperierung rund 150 kW Prozesskälte im Dauerbetrieb benötigt.
Wie lässt sich der steigende Energiebedarf mit den Zielen des Transformationsplans vereinbaren?
Die Lösung: Abwärme als Energiequelle nutzen
Die Antwort lag in einem Prozess, der bereits vorhanden war. Bei der Erzeugung von Prozesskälte entsteht gleichzeitig Wärme, die bei ESN bislang über das Dach abgeführt wurde. Mit einer neuen Kältezentrale wird diese Wärme künftig genutzt. Kälteanlagen werden mit Wasser-Rückkühlmaschinen gekoppelt und können als Wärmepumpe betrieben werden. Die dabei entstehende Wärme wird direkt in das Heiznetz eingespeist. Auf diese Weise können jährlich rund 650.000 kWh Abwärme genutzt werden. Das entspricht etwa 72 Prozent des bisherigen Erdgasbedarfs für die Heizwärme.
Zusätzlich kommt mit Propan (R290) ein natürliches Kältemittel zum Einsatz. Im Vergleich zu vielen synthetischen Kältemitteln weist es ein deutlich geringeres Treibhauspotenzial auf. Geplant wurde die Kältezentrale als Containerlösung. Zwei baugleiche Schraubenkompressoren liefern im gemeinsamen Betrieb 300 kW Kälteleistung und 360 kW Wärmeleistung.
Auch die Einbindung in die bestehende Infrastruktur wurde bei der Planung natürlich berücksichtigt. Alt- und Neubau werden trotz unterschiedlicher Vorlauftemperaturen von 55 °C im Bestand und 40 °C im Neubau über eine Pendelleitung zusammengeführt. Die Wärmeverteilung erfolgt im Tichelmann-System. Dabei werden die Leitungswege so ausgelegt, dass die Wärme möglichst gleichmäßig in beide Gebäudeteile gelangt und sich hydraulische Ungleichgewichte vermeiden lassen.
Im Gesamtsystem arbeiten vier Wärmeerzeuger zusammen: die Abwärme-Wärmepumpe, eine Luft-Wärmepumpe, eine Elektroheizung sowie ein Gaskessel für den verbleibenden Wärmebedarf.
Das Ergebnis: 650.000 kWh Abwärme sinnvoll genutzt
Mit der neuen Kältezentrale wird ein großer Teil der bislang ungenutzten Abwärme für die Wärmeversorgung nutzbar gemacht. In Zahlen bedeutet das:
- Jährlich können rund 650.000 kWh Erdgas ersetzt werden.
- Die Treibhausgaseinsparung liegt bei etwa 120 Tonnen CO₂-Äquivalent pro Jahr.
- Der jährliche Energieaufwand reduziert sich um rund 40.000 Euro.
Die Investitionskosten für die neue Kältezentrale liegen bei rund 600.000 Euro. Für das Vorhaben konnten unsere Förderexperten eine BAFA-Förderung im Modul 4 in Höhe von etwa 120.000 Euro sichern.
Der Spatenstich für die Produktionserweiterung erfolgte im Frühjahr 2026. Die Lieferung der neuen Kältezentrale ist für Ende 2026 vorgesehen.
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